In der Juni-Ausgabe der Verbandszeitschrift von Trainertreffen Deutschland e.V. findet sich mein erster von drei Artikeln über die Emographie.

Im 1. Teil gibt es erste Erläuterungen und den Einstieg in mein Lieblingsthema Metaphern-Emographie. Im zweiten gehe ich auf die Emographie mit Schlüsselbildern ein (Keypicture-Emographie), der dritte befasst sich mit der Verwendung von Symbolen in Präsentionen. Den Artikel kann sich jeder Leser hier gern herunterladen. Ausgabe Juni 2014_Emographie-1_Seiten_26-27 m_lauterjung

oder einfach hier lesen:

Emographie für Weiterbildner (1)

Prozesse mit Skizzen unterstützen

von Martina Lauterjung14_Metaphern_sind_ die_ Plastersteine_ des_ Lösungsweges

In unserer „normalen“ Sprechweise nutzen wir häufig Metaphern, wenn es darum geht, komplizierte Sachverhalte oder Gefühle zu umschreiben. Mit einfachen Skizzen gezeichnet, werden sie zu Werkzeugen der klaren Kommunikation. Mit Klienten skizzieren heißt, zum Dialog einladen, dabei Mauern überwinden und Schatzkisten öffnen.

 Über die Skizze, erstellt mit einfachen Stiften, werden neue Zugangswege zu einem Problem sichtbar und so handhabbar. Die Skizze schafft eine Verbindung zwischen dem Zeichnenden und dem Zuschauer. Besonders intensiv wird diese Verbindung, wenn die Skizze unperfekt ist. Skizzen sind per Definition roh, verzichten auf viele Details, entstehen schnell und durch geringen technischen Aufwand. Ob der Stift ein Bleistift, Filzstift oder elektronisch ist, spielt keine Rolle. Künstlerische Fähigkeiten sind eher hinderlich, wenn es darum geht, sein Gegenüber einzuladen, in die skizzierte Metapher einzu­tauchen, mit zu zeichnen oder zu kommentieren. Was perfekt ist, gilt als abgeschlossen und jeder hat eine gewisse Scheu, Perfektes inhaltlich zu korrigieren oder zu kritisieren.

Auf der Basis handgemachter Skizzen werden zielorientierte Gespräche entspannt und erkennt­nis­reich geführt. 

Wir alle nutzen Metaphern als sprachliches Werkzeug, um den eigentlichen Ausdruck durch etwas zu ersetzen, das deutlicher, anschaulicher oder sprachlich reicher ist. Sie sind, laut Wiki­pedia, ein verkürzter, bildhafter Vergleich.

Im folgenden Artikel möchte ich Ihnen die Chancen aufzeigen, die in der Integration des Skizzierens in die Prozesse von Training, Beratung und Coaching liegen.Gruppenfahne

Durch eine wissenschaftliche Arbeit der TU Dresden wurde nachgewiesen, dass technische Entwicklungsprozesse, die durch Skizzen unter­stützt werden, schnellere und bessere Ergebnisse erzielen. Eine tiefe Durchdringung des Themas und ein höherer Innovationsgrad wurden erreicht. Diese wissenschaftliche Grundlage unterstützt mich und mein Anliegen, Sie zu begeistern und Sie zu ermutigen zu zeichnen.

Um Fakten zu beschreiben, sind Worte das primäre Werkzeug jeder Kommunikation. Da die Beschreibung von Emotionen und Zusam­men­hängen so vielschichtig ist, greifen wir gern und unwillkürlich zu einer bildhaften Sprache, die aus Metaphern und Symbolen aufgebaut ist. Wir sprechen von Step-by-Step Prozessen. Dinge sind miteinander verflochten. Beziehungen werden durch Über- und Unterordnung beschrieben. “Ich bin ganz verwirrt oder befreit“, „Suche meinen Weg“.

 Das Ziel meiner Methodik ist es, diese Sprache in Skizzen umzusetzen.

  • Skizzen machen die Umschreibungen und Metaphern handhabbar, im tatsächlichen Sinn des Wortes.
  • Skizzen machen die Welt sortierbar. Sie lässt sich in einzelne Elemente zerlegen.
  • Skizzen sprechen uns durch ihre Abstraktion auf einer neuen, neutralen Ebene an. Dadurch ermöglichen sie eine neue Sicht und Auseinandersetzung mit dem Thema.
  • Skizzen sind einprägsam. Wie sehr, zeigt folgendes Beispiel: Der amtierende Gedächtnisweltmeister, Johannes Mallow, verpackt historische Daten, Zahlen oder Produkte, die ihm vorgelegt werden, in Bilder­geschichten und Reiserouten.

 

Bild 2 SchluesselIch habe 3 Tools für Sie entwickelt, in denen Metaphern in skizzierte Bilderwelten umgesetzt werden. Diese Tools berücksichtigen die Unterschiede zwischen Coaching, Beratung und
Präsentation.

Grundsätzlich gilt: Bild 10b_hat den Hut aufJede Zielgruppe hat Ihren, in der Gruppe verständlichen, eigenen Kanon an Metaphern. Das Verständnis der Symbole und Metaphern ist in verschiedenen Kontexten und Zielgruppen unterschiedlich. Jeder Mensch erzeugt, darüberhinaus, seine eigene Bilderwelt.

Für die Coaches unter Ihnen ist der Umgang mit sprachlichen Bildern ein anderer als für Trainer, deren Thema eher die Welt der Zahlen,
Daten, Fakten beschreibt. Da sowohl die Trainingsmethoden, als auch die Anzahl der anwesenden und mitarbeitenden Personen sehr unterschiedlich sein können, wird das in den jeweiligen Konzepten berücksichtigt.

Im vorliegenden Artikel, stelle ich durch ein praktisches Beispiel die Arbeit von Coaches in den Vordergrund. Hierdurch hoffe ich, Ihnen einen beispielhaften Überblick über die Welt der Metaphern-Skizze geben zu können. In weiteren Artikeln wird der Faden aufgenommen und ich berichte Ihnen über Varianten der Metaphern-Skizze, die auf den speziellen Bedarf von Trainern und Beratern eingehen. Verbindend ist die lebendige Kraft der Skizze.

Die Zielgruppe bestimmt das Bild und die
Methode mit spezifischen Metaphern zu arbeiten.

Die Skizze ist in der Lage, grafische Elemente mit Emotion aufzuladen. Das ist wertvoll, weil es:Bild 1_Schatzkiste

  • Offenheit erzeugt,
  • Neugierde weckt,
  • Lebendigkeit erzeugt.

Graphik und Emotion gehen eine Verbindung ein.

 

Der Begriff „Emographie“ wurde dafür für mich erfunden

Die 3 Tools:

Bild 4_Klemmbrett1. Metaphern-Emographie: ein praktisches Tool für Coaches, die ein Medium nutzen wollen, dass Problemstellungen im wahrsten Sinn des Wortes, handhabbar macht. Gearbeitet wird am Klemmbrett oder am Flipchart. Tablet ist nur geeignet, wenn die Skizzen auch ausgedruckt werden.

 

Bild 5_Metaplanwand2. Keypicture-Emographie: Trainer können mit der Gruppe ein Keypicture entwickeln, dessen Einzelelemente nacheinander abgearbeitet werden. Auch Coaches können mit dieser Methode sehr erfolgreich arbeiten. Sie brauchen eine Metaplanwand oder Whiteboard.

 

Bild 6_Beamer3. Präsentations- Emographie: Trainer und Berater erarbeiten für Präsentationen eine zielgruppenorientierte Bildsprache. Symbole und Metaphern müssen für die Teilnehmer verständlich sein. Die Skizzen werden im Gespräch verwendet und in Präsentationen, die mit Beamer gehalten werden. Handgemachtes macht PowerPoint wieder attraktiv.

Imagination ist die Sprache des intelligenten Unbewussten.
C.G. Jung


„Emographie“ ist in den Momenten stark, wenn

  • Der Klient oder Kunde einen Weg sucht.
  • Themen über einen längeren Zeitraum weiter­bearbeitet werden.
  • Dokumentationen und Fotoprotokolle nach­haltig wirken sollen.

Skizzen bringen überraschende Ergebnisse, weil

  • nebulöse Beschreibungen in konkrete Objekte verwandelt werden.Bild 7_Leuchtturm
  • der Klient oder die Gruppe mit Objekten handfest arbeiten kann. Wir können den Faden aufgreifen, den Weg in Etappen aufteilen, die Mauer durchbrechen.

Bild 8_Mauer

  • wir einen kontinuierlichen Arbeitsprozess Step-by-Step einleiten und bewusst Schleifen ziehen, wenn dies erforderlich ist.Bild 9_Step_by_StepBild 8b_ Grenzen ueberwinden

 

 

 

  • wir Ergebnisse sichern und Erfolge sichtbar und nachvollziehbar machen.

Da wir reale Skizzen vor uns haben, die die Arbeit dokumentieren, hat man verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen:

  • Integration der Skizzen in eine Präsentation.
  • Würdigung durch attraktive Gestaltung eines Erinnerungsbuches für den Klienten.
  • Ritual des Abschlusses mit einem Thema, z.B. Blechbox in den Keller bringen, Übergabe an die Mülltonne, bis hin zur Verbrennung im Garten.ZielBild 10_Pokal

In der deutschen Sprache gibt es eine so große Fülle an Metaphern, dass ich mir einen Katalog angelegt habe mit 15 Untergruppen. Diese Gruppierung ist intuitiv angelegt und geht von Metaphern die Sinnesorgane bedienen, zu Tier-, Kampf-, Physik-, Wachstums-, bis zu Balance-Meta­phern. Die Unterteilung macht es möglich ein Wörterbuch der skizzenhaft visualisierten Metaphern anzulegen und auf die verbale Bilderwelt des Klienten schnell zu reagieren.Kampf Leiter wachstum_3

 

 

 

Machen Sie mit und sammeln Sie Metaphern in einem kleinen Heft. Lassen Sie Platz unter den Worten für kleine Skizzen. Schnell werden Sie feststellen, wie oft Ihnen Metaphern begegnen. Wie schon oben beschrieben ist der Einsatz der Skizzensammlung vielfältig. Ob im Coaching, in der Beratung oder in Präsentationen, Skizzen entfalten immer ihre belebende Wirkung.

Bild 13b_GlücklichFazit

Visualisierung von Metaphern durch Emographie ist für viele Branchen geeignet, anpassungsfähig an viele Problemstellungen und unterschiedlichste Kundenkreise. Sie ist ausbaufähig und individualisierbar für jeden Trainer, Coach und Berater und immer kommunikationsfördernd. Emographie macht Pro­bleme, wie Lösungen sinnlich konkret wahrnehmbar, vereinfacht den Perspektivwechsel, ist ein Tool das Entwicklungsprozesse nachvollziehbar macht, bringt ein handhabbares Medium hervor, das Rituale ermöglicht und Humor zulässt.

In meinen Workshops wird praxisorientiert gearbeitet. Unter meiner Leitung wird in Kleingruppen skizziert, sich gegenseitig inspiriert und Symbole entwickelt. In fiktiven 4-Augen-Gesprächen üben wir den praktischen Einsatz und die Fähigkeit, während des Zuhörens zu zeichnen. Ich bin jedes Mal überrascht, wie schnell die Teilnehmer das Gelernte umsetzen können!

14_Metaphern_sind_ die_ Plastersteine_ des_ LösungswegesMetaphern sind die Pflastersteine des Lösungsweges. Martina Lauterjung

 

 

 


Praktisches Beispiel:

Coaching-Sitzung

Um Ihnen ein praktisches Beispiel zu geben, folgt hier eine verkürzte Ablaufbeschreibung einer Coaching-Sitzung mit dem Tool der Metaphern-Emographie.

Phase 1 – Vorgespräch: Die Fragestellung aus­arbeiten, die Sprachwelt des Klienten oder der Gruppe heraushören die genutzten Metaphern erkennen und das Anbieten von alternativen Metaphern.

Phase 2 – Skizzieren der Anfangsmetapher: Der Schritt von der Sprache zur Bild. Manche Coaches lehnen die Visualisierung von negativen Metaphern ab. Der Verwandlungsprozess in meiner Methodik würdigt diese Situation.

In der Emographie werden wir in der Phase 3 – auch aus negativen Bildern, positive Möglichkeiten ableiten. Die Abstraktion in der schlichten, sehr verein­fachenden Darstellung einer Skizze schafft Abstand zur Realität und ermöglicht so neue Perspektiven.

In der Phase 4 – wird die skizzierte Szenerie um­interpretiert. Die neuen Skizzen, entwickelt durch Sie und die Klienten, zeigen die Möglichkeiten, die in dieser Szenerie stecken. Da wir nicht „schön“ zeichnen, ist die Hemmschwelle des Klienten oder der Gruppe sehr gering.Bild 10b_hat den Hut auf

Durch die Vereinfachung und grobe Skizzier­technik verschafft sich oftmals ein befreiendes Schmunzeln oder Lachen Einlass in das Ge­spräch.Bild 11_Mauer

Die Situation ist verfahren, der Weg blockiert. Bild 12_Leiter an Mauer

Die Leiter wird Sprosse für Sprosse bestiegen. Jede Sprosse wird mit Möglichkeiten gleich­gesetzt, Helfer, Mentoren können die Leiter festhalten. Bild 13_Loch in Mauer

Vielleicht ist es zu früh, die neue Vision in Angriff zu nehmen? Wir schaffen uns einfach ein Fenster, um die Möglichkeiten hinter der Mauer zu betrachten.